Mati jetzt im Atlas
Der menschliche Körper ist eine Landkarte des Kosmos. Zwischen dem unteren Ende der Wirbelsäule und dem Scheitel entfaltet sich die gesamte Struktur des Universums. Ganz unten trägt das Steißbein das Gewicht des gesamten Körpers, so wie die Erde das Gewicht der Welt trägt. Ganz oben trägt der erste Halswirbel den Kopf, so wie der Himmel die Sterne trägt.
Dieser Wirbel trägt einen uralten Namen: Atlas.
Atlas ist der Titan, der den Himmel auf seinen Schultern trägt. Er trennt Himmel und Erde, damit Leben dazwischen existieren kann. Er verhindert den Zusammenbruch des Universums. Er ermöglicht Raum zum Atmen.
Ohne Atlas zerfällt der Kosmos. Ohne Atlas verschmelzen Himmel und Erde, und das Leben erlischt.
Deshalb heißt die Weltkarte Atlas. Denn die Karte bewahrt die Welt in unserem Bewusstsein. Sie ermöglicht uns die Navigation. Sie gibt uns Koordinaten. Sie orientiert uns im Raum.
Und Atlas war auch der erste König von Atlantis. Der Erstgeborene Poseidons. Derjenige, der von den Bergen aus herrschte, die wir heute Kanarische Inseln nennen, den letzten Gipfeln, die sichtbar blieben, als der Kontinent versank.
DER ATER-TUMTI-PLAN
In der Erinnerung der Antike existiert ein Plan. Ein Plan, der in atlantischer Zeit vor über 13.000 Jahren entstand. Ein Plan, der bis 5000 v. Chr. fortgeführt wurde und dabei mehrmals seinen Namen und seine Sprache änderte.
Dieser Plan heißt Ater Tumti. Aus dem Altatlantischen: den Himmel auf die Erde bringen.
Die Mission bestand darin, die himmlische Ordnung in der irdischen Ordnung widerzuspiegeln. Städte, Tempel und Straßen sollten sich so anordnen, wie sich die Sterne am Firmament anordnen. Wie oben, so unten.
Ater Tumti war der Plan, den die Atlanter in der Welt säten, bevor die Sintflut die Wege auslöschte. Es war der Plan, den Überlebende in Ägypten, Sumer, im Industal, in China und in den Anden wiederaufzubauen versuchten.
Es war der Plan, an den ich mich, wie viele andere, erinnerte.
Und dieser Plan beginnt sich in der Atlasregion zu konkretisieren. Auf den Kanarischen Inseln. Denn dort liegt die Erinnerung an den Ursprung. Dort liegt die Karte, die Himmel und Erde verbindet.
Atlas ist das Symbol des Plans. Derjenige, der hält. Derjenige, der bewahrt. Derjenige, der nicht alles zusammenbrechen lässt.
Doch der Ater-Tumti-Plan lebt auch im Himmel. Denn der Himmel leitet die Erde. Die Sterne markieren den Weg durch die Zeit.
DER HIMMLISCHE WEG
Die Alten blickten zum Himmel und erkannten Muster. Sterngruppen verbanden sie mit imaginären Linien, um sich an Mythen zu erinnern, sich im Ozean zu orientieren, die Zeit zu messen, zu wissen, wann man sät und wann man erntet.
Die Sternbilder tragen Namen von Mythen, denn der Himmel war das heilige Buch. Der Ort, an dem die Geschichten der Götter eingeschrieben waren. Jedes Sternbild vermittelte eine Lehre. Jeder Stern markierte einen Punkt auf der Himmelskarte.
Die Alten teilten den Himmel in Regionen ein. Auf dem Himmelsäquator bewegten sich die Sternbilder des Tierkreises. Im Norden lagen die zirkumpolaren Sternbilder, die niemals unter den Horizont sanken. Im Süden befanden sich die Sternbilder, die nur von bestimmten Breitengraden aus sichtbar waren.
Doch von allen Sternbildern war eines das wichtigste. Es leitete alle anderen. Es wies dem Jäger den Weg. Es bildete die Achse des Nachthimmels.
Orion.
ORION, DER JÄGER UND SEINE HUNDE
Orion ist der Jäger. Das bekannteste Sternbild am Himmel. Drei perfekt ausgerichtete Sterne bilden seinen Gürtel. Vier helle Sterne markieren seine Schultern und Knie.
Orion war ein Riese. Ein legendärer Jäger. Der geschickteste von allen. Er konnte jedes Tier erlegen.
Orion jagte in Begleitung seiner zwei treuen Hunde. Canis Major, der größere Hund, der Sirius, den hellsten Stern am Nachthimmel, auf seiner Brust trägt. Und Canis Minor, der kleinere Hund, der Procyon auf seiner Stirn trägt. Die beiden Hunde jagen ihren Herrn unaufhörlich am Himmel.
Vor Orion läuft der Stier. Der gewaltige Himmelsstier, der die Furche im Sternenfeld bahnt. Derjenige, der die Erde für die Saat der Sterne vorbereitet.
Der Stier war die heilige Kuh. Die kosmische Matrix. Derjenige, der die Milch der Sterne hervorbringt. Die Milchstraße wurde von den Alten als die Milch der heiligen Kuh angesehen. Die Ursubstanz, aus der die Sterne geboren wurden. Der Lichtstrom, der den Himmel durchzieht.
Und auf dem Rücken des Stiers leuchten die Plejaden. Die sieben Schwestern. Die sieben Tauben, die den Norden markieren. Die sieben Musen, die den himmlischen Gesang inspirieren.
Die Plejaden wurden Tauben genannt, weil sie den Weg wiesen. Wie die Musen die Inspiration lenkten. Wie die Maus – Maus, Muse, Musik – aus der Höhle kam, um die Botschaft der Götter zu bringen.
Orion jagt ewig den Plejaden nach. Er jagt dem Herzen des Stiers nach. Dem Zentrum der Schöpfung. Dem Ort, wo die Sterne geboren werden. Doch er erreicht sie nie. Denn das ist seine Aufgabe. Nachzujagen. Zu jagen. In Bewegung zu bleiben. Das Rad des Himmels zu halten.
Doch Orion hat einen Feind. Ein Gift, das ihn von hinten verfolgt.
DER SKORPION UND DER ARZT
Der Mythologie zufolge wurde Orion von einem Skorpion gestochen. Der Skorpion Scorpius entstieg der Erde und stach dem Jäger seinen Stachel in die Ferse. Orion stürzte ab. Er starb. Doch sein Tod war zugleich seine Wandlung.
Die Götter setzten Orion und seine Hunde zu seinen Ehren an den Himmel. Auch den Skorpion setzten sie an den Himmel, auf die ihm gegenüberliegende Seite, damit Orion und Scorpius sich niemals begegnen konnten. Wenn der Skorpion am Horizont aufgeht, sinkt Orion. Wenn Orion aufgeht, verschwindet der Skorpion.
Doch zwischen Orion und Scorpius steht der Heiler, der Schlangenträger.
Ophiuchus ist der himmlische Arzt, der große Heiler Asklepios, der das Geheimnis der Auferweckung der Toten erlernte und das Schlangengift zu Medizin verarbeitete.
Asklepios wurde von Zeus erschlagen, weil die Götter fürchteten, die Macht, Leben zurückzubringen, würde die Ordnung des Kosmos verändern. Doch Zeus, voller Reue, setzte Asklepios als Schlangenträger an den Himmel. Denjenigen, der die Schlange in seinen Händen hält. Denjenigen, der das Geheimnis der Verwandlung kennt.
Der Schlangenträger steht zwischen Skorpion und Schütze. Zwischen Gift und Pfeil. Zwischen Stich und Heilung. Zwischen Tod und Auferstehung.
Und es ist der Schlangenträger, der Orion heilt. Der ihm das Gegengift gibt. Der ihm erlaubt, wieder aufzuerstehen und weiterzujagen.
Die Hunde führen ihn. Sirius und Procyon. Die beiden Lichtpunkte, die dem Jäger den Weg weisen. Ohne die Hunde verirrt sich Orion. Ohne die Hunde kann Orion nicht jagen. Die Hunde sind die Führer. Diejenigen, die die Fährte erschnüffeln. Diejenigen, die der Spur in der Dunkelheit folgen.
ORION, OSIRIS UND DIE GROSSE FRAU
In Ägypten war Orion Osiris. Der Gott des Todes und der Auferstehung. Derjenige, der zerstückelt und wieder zusammengesetzt wurde. Derjenige, der die Unterwelt beherrscht. Derjenige, der Seelen durch die Dunkelheit führt.
Osiris ist das Prinzip des Herabsteigens. Derjenige, der die Materie durchdringt. Derjenige, der sich selbst zersplittert, um in die physische Welt eintreten zu können.
Und Isis ist sein weibliches Gegenstück. Diejenige, die die Bruchstücke sucht. Diejenige, die wiederaufbaut. Diejenige, die hält. Die große Mutter. Die Matrix, die alles enthält.
In der Geographie des Planeten ist Orion Ägypten. Der Ort, wo der Plan von Ater Tumti in Stein gemeißelt wurde. Der Ort, wo die Pyramiden die drei Sterne des Orion-Gürtels widerspiegeln.
Und Isis ist Argentinien. Die große Frau. Der weibliche Körper des Südens. Das Land, das den Schoß der Welt birgt.
2012 unternahm ich diese Reise. Den Weg der großen Frau. Von Norden nach Süden. Von Orion zu Isis. Von Ägypten nach Argentinien.
Und ich tat dies in Begleitung zweier Kanarier. Zweier Hunde.
KANARISCHE INSELN: DIE INSEL DER HUNDE
Canarias stammt vom lateinischen Canariae Insulae. Inseln der Hunde.
Als König Juba II. von Mauretanien eine Expedition zu den Inseln entsandte, fand er dort „unzählige große Hunde“. So erhielten die Inseln ihren Namen.
Hunde sind die Führer. Sie sind die Fährtenleser. Sie folgen der Spur. Sie öffnen den Weg in der Dunkelheit.
Und meine beiden kanarischen Hunde hießen Nidia und José. Zwei Freunde, die mich auf der Reise 2012 begleiteten. Sie führten mich auf dem Harwitum-Pfad. Sie lehrten mich, die Inseln als Ganzes zu sehen.
Sie waren mein Sirius und Procyon. Die zwei Lichtpunkte, die mich durch die Dunkelheit leiteten.
Und die Reise gipfelte am 12.12.2012. In Buenos Aires. In Tandil. Im Schoß Argentiniens. Im Bauch der großen Frau. Zwischen den Zwillingsgebirgen, die die Falklandinseln spiegeln. Apollo und Artemis. Sonne und Mond. Die beiden Augen, die die Welt betrachten.
Diese Begegnung schloss den Weg der großen Frau. Isis hatte Orion in ihrem Schoß empfangen.
DAS HERZ DES SKORPIONS UND DER EISERNE GLAUBE
Die Kanarischen Inseln bilden die Gestalt eines Skorpions. Eines Wasserskorpions. Der Wächter des Atlantischen Ozeans.
Und das Herz des Skorpions liegt auf Teneriffa. Im Zentrum seines Körpers. Dort, wo der Puls der Inseln schlägt.
Am Himmel ist das Herz des Skorpions Antares. Der riesige rote Stern. Der Rivale des Mars. Derjenige, der mit dem Feuer der Transformation brennt.
Dem Herzen zu folgen bedeutet, Vertrauen zu haben. Und Teneriffa trägt diesen Code in seinem Namen. Te-ner-i-fe. Glauben haben (Fe), auf Spanisch. Glauben bewahren. Glauben im Herzen verankern.
Doch in der Alchemie lernte ich, dass der Glaube (Fe) in El Hierro liegt: Denn dieses chemische Element im Periodensystem wird mit Fe geschrieben, vom lateinischen ferrum.
El Hierro ist die erste Insel. Das Wurzelchakra. Der Sitz der Kraft. Der Ort, an dem die Kundalini des Skorpions verankert ist.
Eisen ist das Metall des Nordens. Der Magnet. Der Kompass. Die Nadel, die immer zum Pol zeigt.
Glaube (Fe) bedeutet auf Englisch Glaube. Was vom lateinischen fides kommt. Vertrauen. Treue. Loyalität.
Eisen auf Spanisch ist Eisen auf Englisch. Das Metall des Willens. Das Metall, das hält. Das Metall, das schmiedet.
Mein Glaube (Fe) lag in meinem Eisen. In meinem Norden. In meinem inneren Kompass. Doch jahrelang war dieser Kompass gefesselt. Gebunden. Gefesselt an einen Weg, der nicht meiner war.
Denn ich wurde am 12.12.1987 christlich getauft. Derselbe Tag. 12.12, der Tag der Großen Frau, auch der Jungfrau von Guadalupe.
Und die Taufe ist ein Pakt. Ein Zeichen. Eine Inschrift in die Seele, die das Bewusstsein an eine Lehre bindet. An eine Kirche. An ein Glaubenssystem.
Und obwohl ich mich weit von dieser Kirche entfernt hatte, obwohl mein Leben andere Wege eingeschlagen hatte, blieb ich im Unterbewusstsein gebunden. Ich blieb gebunden.
Deshalb bin ich am 12.12.2025 aus der Kirche ausgetreten.
APOSTASIAT: BEFREIUNG DES GLAUBENS
Apostasie kommt vom griechischen Wort „apostasia“ und bedeutet „Abkehr“, „Verlassenheit“, „Rebellion“.
Im religiösen Kontext ist Apostasie der formelle Verzicht auf den in der Taufe empfangenen Glauben. Es ist die offizielle Erklärung, dass man nicht länger Teil der Kirche ist, ihre Lehre nicht mehr annimmt und seine Seele von diesem Bund befreit.
Für mich aber bedeutete Apostasie die Befreiung meines Glaubens (Fe). Die Rückkehr meines inneren Kompasses. Die Wiederentdeckung meiner inneren Ausrichtung.
Denn wenn ich für die Erde da sein will, wenn ich dem Plan von Ater Tumti dienen will, wenn ich den Himmel auf Erden verwirklichen will, muss mein Glaube (Fe) in mir selbst zentriert sein. Mein innerer Kompass muss in mir sein.
Deshalb bin ich hierher gekommen. Nach Teneriffa. Ins Herz von Antares. Ins Zentrum des Skorpions. Um mit dem Teide in Verbindung zu treten. Dem heiligen Vulkan. Dem eisernen Herzen des Skorpions.
Und ich kam, um von meinen beiden kanarischen Hunden begleitet zu werden. Nidia und José. Jene, die mich auf meiner ersten Reise 2012 geführt haben. Jene, die mir die gesamte Karte der Inseln gezeigt haben.
Ich kam, um meinen Glauben (Fe) wiederzuerlangen. Mein Eisen. Meinen Norden. Um dem Gift des Skorpions trotzen zu können. Um den Stich zu überwinden. Um Gift in Medizin zu verwandeln.
Denn der Schlangenträger lehrte mich, dass Gift und Medizin ein und dasselbe sind. Dass der Skorpion sticht, um zu heilen. Dass der Tod der Weg zur Auferstehung ist.
Und nun, nachdem ich vom Glauben abgefallen bin, nachdem ich meinen Glauben (Fe) befreit, nachdem ich mein Eisen wiedererlangt habe, kann ich den Himmel wie Atlas auf meinen Schultern tragen.
Ich kann die Achse sein, die Himmel und Erde trennt, damit Leben dazwischen atmen kann.
Ich kann der Wirbel sein, der den Kopf der Welt trägt.
Ich kann die Landkarte sein, die andere durch den Ozean des Bewusstseins führt.
Denn mein Glaube (Fe) ist nicht länger an Religion gebunden. Mein Eisen ist nicht länger gefesselt. Mein Kompass weist nicht länger nach außen.
Mein Norden ist in mir.
Und von hier, von Teneriffa, aus dem Herzen des Skorpions, aus dem Zentrum des Antares, kann ich neu beginnen.
Meine Frage an dich heute lautet: Wo ist dein Eisen? Wohin weist dein Norden? Woran glaubst du (Fe)?