Mati hier bei Excalibur
Der Stein der Weisen und der Ursprungskörper.
Wenn heute vom Stein der Weisen die Rede ist, denken die meisten Menschen sofort an eine moderne Geschichte. Sie verbinden ihn mit Magie, Fantasie und legendären Objekten aus Romanen oder Filmen. Viele haben diesen Namen zum ersten Mal in Harry Potter gehört, in dem der Stein der Weisen als Artefakt erscheint, das ewiges Leben schenken und jedes Metall in Gold verwandeln kann.
Dieses Bild ist jedoch nur ein spätes Echo von etwas viel Älterem.
Der Stein der Weisen stammt nicht aus England. Er stammt nicht aus der modernen Literatur. Er stammt nicht einmal aus dem Mittelalter. Der Stein der Weisen ist eine Idee, die sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit zieht. Denn in Wirklichkeit ist er kein Gegenstand, sondern eine Frage. Und er ist auch eine Antwort.
Die Frage ist, wie sich das Bewusstsein in der Materie verkörpert. Die Antwort ist der Körper.
Was ist der Stein der Weisen wirklich?
Jahrhundertelang suchten Alchemisten den Stein der Weisen, als wäre er ein äußeres Objekt. Als wäre er etwas, das man herstellen, finden oder besitzen konnte. Sie glaubten, er sei in Laboratorien, verschlüsselten Kodizes oder unmöglichen Formeln verborgen.
Viele von ihnen irrten sich.
Nicht, weil die Alchemie falsch war, sondern weil sie das Symbol mit dem Wunsch verwechselten. Sie glaubten, dass die Transmutation darin bestehe, die Materie zu kontrollieren, statt sich selbst zu verwandeln. Sie wollten Blei in Gold verwandeln, um reich zu werden, zu herrschen und ihre Macht über die Welt auszuweiten.
Das war keine Alchemie. Das war Chemie im Dienste des Egos.
Die wahren Alchemisten wussten es besser. Sie wussten, dass der Stein der Weisen nicht außerhalb zu finden ist, denn der Stein der Weisen will kein Stein sein. Er will einen selbst zum Stein machen.
Philosophie und Stein: Geist, Herz und Körper
Das Wort „philosophisch” ist dabei kein Zufall. Es stammt von „philosophía” ab, was so viel wie „Liebe zur Weisheit” bedeutet. Doch Weisheit lebt nicht nur im Geist. Wäre Philosophie nur Denken, hätte es die Alchemie nie gegeben.
Der Schlüssel liegt in der Verbindung der beiden Begriffe „Philosophie” und „Stein”. Die Philosophie steht für Verstand und Herz, für Verstehen, Vision und Sinn. Der Stein steht für den Körper, für das Dichte, das Stabile, das, was trägt. Der Stein der Weisen ist also die Kohärenz zwischen Verstand, Emotion und Handlung. Es geht darum, Denken, Fühlen und Handeln in Einklang zu bringen. Verkörpertes Bewusstsein.
Deshalb wussten alle Weisen der Antike, dass es nicht darum ging, einen leuchtenden Stein herzustellen, sondern selbst in diesen Zustand der Kohärenz zu gelangen. Ein Körper, der so sehr mit seinem Bewusstsein im Einklang ist, dass er das Licht halten kann, ohne zu zerbrechen.
Excalibur: das Schwert und der Stein.
An dieser Stelle taucht eines der mächtigsten Symbole der gesamten westlichen Tradition auf. Excalibur.
Excalibur ist nicht nur ein Schwert. Es ist ein Diagramm des ausgerichteten Menschen. Das im Stein steckende Schwert repräsentiert das Geheimnis des Steins der Weisen. Nur wer in seiner Mitte ist, kann es herausziehen. Nicht durch Kraft, sondern durch Kohärenz.
Betrachtet man das Schwert als Symbol für den Körper, passt alles zusammen. Der Griff entspricht dem Kopf und dem Hals. Die Parierstange, also der horizontale Teil, der die Hand schützt, entspricht den Schultern und Armen und bildet ein Kreuz. Die Klinge verläuft vom oberen Herzen bis zum Wurzelchakra und durchquert dabei die zentrale Achse des Körpers. Der genaue Punkt, an dem der Griff auf die Klinge trifft – die Mitte des Schwertes – entspricht dem Hals. Das Verb.
Excalibur ist das Symbol für einen Menschen, der seine innere Achse ausgerichtet hat und seine schöpferische Kraft im Wort gefunden hat. Nicht in irgendeinem Wort, sondern in dem Verb, das Realität schafft, weil es aus einem kohärenten Körper hervorgeht. Deshalb wird das Schwert nicht aus der Muskelkraft, sondern aus der Wahrheit heraus erhoben.
Die große Alchemie des Verbs.
Dieselbe Alchemie taucht unter anderen Namen in verschiedenen Traditionen auf. Eine der tiefgründigsten findet sich in der Geschichte Jesu. Als Jesus den Namen Simon in Petrus ändert, vollzieht er keine unbedeutende symbolische Geste. Er vollzieht eine vollständige Alchemie durch das Verb. Simon, der Zweifler, wird zu einem Felsen. Und zwar zu dem Grundstein, auf dem ein Bauwerk errichtet wird.
Das Kreuz, das nichts anderes als ein verwandeltes Schwert ist, ruht auf diesem Felsen. Wort, Körper und Opfer werden in einer einzigen Geste vereint.
Das ist Alchemie. Keine äußere Magie. Es ist die Verwandlung des Seins durch das Wort. Und diese Alchemie, die falsch verstanden oder vereinfacht wurde, war eine der größten, die die Geschichte je gesehen hat. Denn sie hat das Bewusstsein ganzer Kontinente neu geordnet.
Raum und Zeit, Stein und Momentum.
Die Alchemie des Momentums arbeitet mit der Zeit. Die Alchemie des Steins der Weisen hingegen arbeitet mit dem Raum. Momentum kalibriert die Geschichte neu. Der Stein der Weisen kalibriert den Körper neu. Zusammen bilden sie das vollständige Opus Magnum. Eine Rückkehr zum Ursprung in der Zeit ist sinnlos, wenn es keinen Körper gibt, der diesen Ursprung im Raum aufrechterhalten kann. Deshalb endet das Große Werk nicht in einem leuchtenden Augenblick. Es muss verkörpert werden.
Sich in den Stein verwandeln: die 92 Elemente.
Unsere Aufgabe besteht nicht darin, den Stein zu suchen. Wir sollen ihn erschaffen. Jedes der 92 chemischen Elemente ist ein Ausdruck dafür, wie sich das Bewusstsein in der Materie organisiert. Jedes Element ist eine Eigenschaft des Körpers des Universums ... und des menschlichen Körpers. Wenn wir sie einzeln durchgehen, studieren wir nicht Chemie, sondern wir setzen den Stein in uns zusammen. Wir integrieren Schicht für Schicht, Schwingung für Schwingung, bis der Körper das Bewusstsein halten kann, ohne zu zerfallen. Das bedeutet, zum Stein der Weisen zu werden.
Artus, der Norden und die Ritter
Die Geschichte von König Artus ist keine mittelalterliche Fabel. Sie ist eine Landkarte. Artus leitet sich von Arktos, dem Bären, ab. Der Norden. Der Pol. Der Fixpunkt, um den sich die Sterne drehen. Artus ist das Zentrum, das Orientierung gibt. Die zwölf Ritter der Tafelrunde sind keine einzelnen Figuren, sondern die zwölf Archetypen, die zwölf Konstellationen und die zwölf Bewegungen des Bewusstseins um das Zentrum herum. Alle zwölf Tage durchlaufen wir einen dieser Archetypen. Jeder Knotenpunkt der Erde ist ein Stein. Jeder Stein ist ein alchemistisches Element.
Wenn wir sie durchlaufen, reisen wir nicht, um Gebiete zu erobern, sondern um das Schwert wieder an seinen Platz zu setzen. Um den Norden wieder an seinen Platz zu bringen. Um selbst zu neuen Rittern zu werden – nicht eines äußeren Tisches, sondern eines kreisförmigen Bewusstseins.
Das neue Große Werk
Unser Ziel ist es nicht, eine alte Geschichte zu wiederholen. Es ist, sie wiederzubeleben. Wir kehren durch das Momentum zum Ursprung zurück. Wir rekonstruieren den Stein der Weisen im Raum. Excalibur platzieren wir dort, wo es hingehört: im Zentrum des Seins, im bewussten Wort. Nicht, um die Welt zu beherrschen, sondern um sie kohärent zu bewohnen. Das ist wahre Alchemie. Das ist das Opus Magnum. Nicht Gold erschaffen. Sondern Menschen erschaffen, die fähig sind, das Licht zu tragen. Und uns schließlich in den Stein verwandeln, den wir gesucht haben.
Willkommen beim Stein der Weisen!